Internet Statement 2026-07

 

Wo ist der Kampf gegen den Imperialismus und die Unterstützung der durch ihn unterdrückten Völker geblieben? Das gab es doch hier schon massenhaft.


Maria Weiß/Uwe Müller 25.03.2026


Wenn man ein wenig hinter die Kulissen schaut, dann sieht man, daß das nicht passé ist. Internationalismus stirbt nicht von selbst. Hören wir auf, ihn zu ignorieren und zu quälen. Die Bourgeoisie hat ihre Perversion noch keineswegs zurückgestellt. Im Gegenteil. Die ist zu allem fähig. Warten wir nicht darauf, bis der Imperialismus, bis diese Ausbeuterklasse, weil sie sich überall auf der Welt wieder durchgesetzt hat, nicht nur lokale, sondern den nächsten Weltkrieg vom Zaun bricht. Kommen wir dem zuvor. Leisten wir Widerstand gegen die imperialistischen Kriege, unterstützen wir den Widerstand der unterdrückten Völker. Leider ist davon noch kaum etwas zu verspüren hierzulande. Wie kommt das?

In den 1960er-Jahren und auch noch zu Beginn der 1970er-Jahre gab es in Berlin und auch in Deutschland insgesamt mal wieder etwas, was lange nicht mehr da gewesen war: eine revolutionäre Bewegung. Und wer war es? Es war die Jugend. Ja, die Jugend stand auf gegen das Ausbeutersystem, in welchem sie groß geworden war, und stellte dieses infrage. Sie stellten auch die internationale Ausbeutung infrage, daß es diesem Land nicht zu eklig war, immer mehr von der Ausbeutung anderer Länder zu leben. All das wurde thematisiert. Es entstand eine große Bewegung in ganz Deutschland, aber vor allem in West-Berlin, die diese Dinge an den Pranger stellte. Sie stellten die Frage, ob das nun wirklich das Ende der Fahnenstange ist, oder ob doch eine bessere, eine gerechtere Gesellschaft möglich ist. Eine die erstens nicht von der Ausbeutung anderer Länder und Staaten lebt, und zweitens auch die Ausbeutung im eigenen Land beseitigt. Internationalismus, internationale Solidarität wurde groß geschrieben.

All das gab es, das wurde diskutiert, da gab es Demonstrationen dafür. Es gab auch politische Ereignisse, auf internationaler Ebene wofür demonstriert wurde. Für den Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes, gegen die Unterdrückung im Iran und gegen den Schah-Besuch. Und es gab die selbständigen Streiks der Arbeiter in Frankreich oder Italien, um nur einiges beispielhaft zu nennen. Aber wo ist all das geblieben? Es ist einfach weg.

Wie kann man sich das erklären, daß eine solche Bewegung irgendwann nach einigen Jahrzehnten einfach weg ist? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die sich solche Gedanken macht.
Generell ist es natürlich die Erklärung: Mit einem Teil der Extraprofite aus der Ausbeutung der Dritten Welt wurde ein nicht unbeträchtlicher Teil der Arbeiter hier in Deutschland und im sog. Westen bessergestellt und korrumpiert. Lenin nannte das Arbeiteraristokratie. Deren Anteil in der Arbeiterklasse wuchs, und etlichen Arbeitern, die bis dahin schlecht dran waren, wurde das Leben erleichtert. Aber das kann nicht alles sein. Alleine mit diesem ökonomischen Hintergund kann man das nicht erklären, historische und kulturelle Gründe müssen ebenso beleuchtet werden.

Zudem ist es so, daß damals die Jugend- und Studenten-Bewegung keineswegs, noch nicht einmal überwiegend, aus Menschen bestand, die aus unteren Schichten, aus der Arbeiterklasse stammten. Nein, es war erstaunlicherweise die Jugend der Mittelschicht, die aufstand und voran ging. Vor allen Dingen die war es. Und die war es auch, die diese harte Kritik am kapitalistisch-imperialistischen System an die eigenen Eltern geworfen haben. Diese fanden es gar nicht so toll.

Wie aber konnte es der Bourgeoisie in unserem Land oder auch in Europa gelingen, eine solch revolutionäre jugendliche Kraft, wie sie sich damals in den 1960er- und 70er-Jahren entwickelt hat, in ihr Gegenteil zu verwandeln? Wie konnte sie diese revolutionäre Bewegung weitgehend auf das Gleis des reaktionären, systemtreuen und massenfeindlichen Ökologismus in Gestalt der „Grünen“ umlenken?
Und vor allem: Was für Schlüsse muß man daraus ziehen? Wie können wir das heute wieder umwandeln? Denn notwendig wäre eine revolutionäre Bewegung heute mehr denn je. Auch die Unterstützung des Widerstands und des Aufstandes der unterdrückten Völker ist mehr denn je notwendig.

Die Bourgeoisie hat damals angefangen, Produktion zu verlagern und immer mehr teilzunehmen an der Ausbeutung der 3. Welt und Teilen des Ostblocks. Zugleich hat man Millionen Arbeiter aus der Türkei, Jugoslawien , Italien usw., hereingeholt, die vor allem niedrigere Arbeit verrichten mußten, die deutschen Arbeiter aber wurden angehoben und so immer mehr korrumpiert. Sie bekamen auf einmal höhere Löhne ohne etwas dafür getan zu haben. Aber sie taten eben objektiv das dafür, daß sie die Existenz dieser Ausbeuterklasse hier garantierten. Das grub der revolutionären Bewegung sozusagen das Wasser ab, entzog ihr den Boden unter den Füßen, auf dem sie hätte agieren können. Studenten, die auf systemtreu umschwenkten, wurden mit Posten beim Staat und dessem Überbau belohnt. Es war unendlich schwierig, dem allem zu widerstehen.

Ja, wirklich, ihr Leute von heute, ihr Mittelschicht oder was ihr seid. Denkt doch einmal über eure eigene Geschichte nach, anstatt in den Tag hinein zu leben und es zu genießen, daß man eben auf der besseren Seite der Menschheit geboren wurde und lebt. Pfui Teufel, so etwas ist billig.

Wir, die Jugend- und Studentenbewegung von damals, haben es gewagt, das infrage zu stellen, auch um den Preis unseres eigenen Lebens. Es wurden Menschen damals erschossen, die das vertreten haben. Nicht nur Korummpierung, auch Repression gab es nicht zu knapp. Das hat man anscheinend auch vergessen, unterdrückt, einfach beiseite geschoben.
Wie auch immer. Man sollte sich jedenfalls an die Geschichte erinnern, auch an diese neuere Geschichte, das ist durchaus interessant. Denn ihr glaubt doch nicht, ihr privilegierten Klugschwätzer von heute, daß das so bleibt, daß es so friedlich bleibt. Keine Chance, die Bourgeoisie hat ihre Gier nach Ausbeutung, nach der Ausbeutung anderer Völker und anderer Menschen keineswegs aufgegeben. Das läuft doch immer noch, und die Widersprüche innerhalb und die Konkurrenz zwischen den imperialistischen Mächten nimmt stetig zu. Das ist doch nicht mehr zu übersehen. Die aktuellen Kriege erwachsen daraus. Höchste Zeit also, den Kampf gegen Imperialismus und für die soziale Revolution wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Aber dazu bedarf es natürlich einer Generation, die daran ein Interesse hat, die es versteht, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und zu denken. Die bereit ist, in die Zukunft zu denken und erkennt, daß es keineswegs garantiert ist, daß es auch hier so friedlich bleiben wird, wie es lange Zeit war. Also bitte denkt mal darüber nach, denkt einfach einmal über die Geschichte nach, was es mal gab, wie es sich entwickelt hat und wie es heute aussieht. Auch wenn das vielleicht nicht das Ansinnen der meisten jungen Menschen ist, die jetzt studieren.

Wir möchten darauf hinweisen, daß man aus der Geschichte lernen kann.
Aber bitte, jeder muß tun, was er seiner Überzeugung nach tun muß. Man kann niemanden zwingen. Man kann nur appellieren, ein wenig über seinen gegenwärtigen Tellerrand hinaus zu denken, und vielleicht auch mal diesen Ereignissen, die zum Teil vor der eigenen Existenz stattgefunden haben, ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, bevor es zu spät ist.
Und zu spät wird es sicherlich irgendwann sein, denn der ausbeuterische Kapitalismus, Imperialismus hat sich doch überall auf der ganzen Welt inzwischen etabliert. Der ist doch keineswegs geschlagen, der Imperialismus, der zu den letzten beiden Weltkriegen beigetragen hat, und sogar die nennenswerte Ursache dafür gewesen ist. Ja, warum sollte man sich damit nicht etwas näher befassen, anstatt in den Tag hinein zu leben, der im Moment ja für eine ganze Menge Leute auch in unserem Land recht bequem zu sein scheint? Das ist aber nur hohles Fundament, ein Schein, ein zeitweiliger. Dessen könnt ihr sicher sein. Also bemüht euch mal, ein wenig Geschichte zu studieren, und vielleicht, wenn es geht, auch mal vernünftig daraus zu lernen.

Man kann das gegenwärtige Ausmaß von öffentlicher Verdummung wirklich nicht mehr ertragen. Worin besteht denn die gegenwärtige Gefahr? Doch nicht etwa in der Umwelt und deren Katastrophe. Sie besteht in nichts anderem als darin, daß die ganzen Widersprüche, die die ganze Zeit schon, auch die letzten, Kriege verursacht haben, immer noch da sind und auch den nächsten Weltkrieg zu provozieren. Vielleicht sollte man besser darüber einmal nachdenken, auch wenn man um die sog. Umwelt die Sorge hat und darin die erste Substanz sieht. Der Ökologismus ist einfach eine Fehlentwicklung, eine Ablenkung weg von den gesellschaftlichen Systemfrage, die absichtlich von der Bourgeoisie lanciert wurde.

 

 

 

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