Internet Statement 2026-16

 

Mehrwertsteuer-System vereinfachen - Ja klar!


Uwe Müller 08.08.2026

Man kennt das seit Jahrzehnten schon: Und auch heute wieder kommen Vorschläge „einflussreicher Ökonomen“ (wie z.B. Ifo-Chef Clemens Fuest) die Mehrwertsteuer zu erhöhen. „Bild“ titelte dazu im typischen Stil: „36 Milliarden Euro für den Staat: Top-Experte schlägt Mehrwertsteuer-Revolution vor“.

Fuest fordert die komplette Streichung aller ermäßigten Steuersätze [1]. Der Regelsatz von 19% soll künftig dann für alle Waren und Dienstleistungen gelten. Daß dies radikale Erhöhung von 7 auf 19% gerade die breite Masse besonders treffen würde, für die ursprünglich ja einmal der ermäßigte Steuersatz vorgesehen war, dessen ist sich Fuest durchaus bewußt. Die Firmen und Händler würden die Erhöhung natürlich eins zu eins auf die Preise drauf schlagen. Deswegen schlägt er auch gleich eine „soziale“ Ausgleichszahlung für die „ärmsten Haushalte“ vor, diese sollen vom Staat jährlich eine „Gutschrift“ von 360 € bekommen.

Nein danke, kann man da nur sagen. Es ist immer die gleiche Verarsche, das Prinzip „linke Tasche, rechte Tasche“. Massiv belasten - und mit einem Trostpflästerchen „entlasten“.

Natürlich verfolgt Fuest mit seinem Vorstoß ganz hehre Ziele:

„Ziel einer Abschaffung ist es laut Fuest, die Unübersichtlichkeit des Systems zu reduzieren und Mehreinnahmen für den Staat zu erzielen. »Die unterschiedlichen Steuersätze führen zu unnötiger Komplexität, Abgrenzungsproblemen und willkürlicher Ungleichbehandlung«, zitiert ihn die »Bild«-Zeitung.
So werden auf Speisen im Restaurant beispielsweise 7 Prozent fällig, auf Getränke 19 Prozent. Im Hotel wiederum gelten unterschiedliche Sätze für Übernachtung und Frühstück.“
spiegel.de (Hervorhebungen von mir, UM)

Die Ausnahmeliste für ermäßigte Waren ist in der Tat im Laufe der Jahre x-mal hin und her geändert worden, immer unlogischer aufgebaut und für die Firmen und Händler mit gigantischem bürokratischen Aufwand verbunden. Ein einheitlichen Steuersatz für alle Waren macht gesellschaftlich absolut Sinn, dem kann man nur zustimmen!


Aber natürlich nicht so, wie Fuest und andere „namhaften Ökonomen“ das vorschlagen. Nicht der ermäßigte Steuersatz muß abgeschafft werden, um dem Staat mehr als 36 Mrd. einzubringen, nein, umgekehrt: Der Regelsatz soll auf den ermäßigten Satz reduziert werden - also für alle Waren runter auf 7%.!

Das wäre dann wirklich eine klitzekleine „Mehrwertsteuer-Revolution“ [2], Steuervereinfachung und massive Erleichterung für die breite Masse.

Freilich, mehr als 36 Mrd. Mehreinnahmen für den Staat würde das sicherlich nicht einbringen, trotz Bürokratieabbau. Aber das ist nicht unser Problem.


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[1] Die ermäßigten Steuersätze gelten vor allem für bestimmte Grundnahrungsmittel, ÖNV, Theaterkarten, Bücher, Zeitungen, Landwirtschaft etc.. Die ermäßigten Steuersätze liegen aktuell bei 7%, der Regelsatz beträgt 19%.
Die letzte Erhöhung stammt aus dem Jahr 2006, als die „Große Koalition“ von 16% auf 19% erhöhte, obwohl im Wahlkampf die CDU lediglich 18% gefordert und die SPD jede Erhöhung abgelehnt hatte. Siehe hierzu auch das IS 2005-98

[2] Daß die „Bild“ diesen Vorstoß als „Revolution“ betitelt, ist lächerlich und demagogisch. Sie will damit diese massive Verteuerung des Lebens zum Wohle des Staates dem Leser und Volk bloß schmackhaft machen. Der Kern des Vorschlags sind ja die erwarteten Mehreinnahmen von mehr als 36 Mrd. für den Staat - was soll daran „Revolution“ sein?

 

 

 

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