Internet Statement 2021-195

 

 

 

Ein paar Überlegungen zur Aktualität der Marx‘schen Sozialtheorie

 

 

Maria Weiß  15.08.2021

Ein Mensch kann seine Entscheidungen hinterfragen, aber was vielleicht noch wichtiger ist, er kann auch seine Gefühle hinterfragen. Beides unterschiedet ihn vom Tier. Das darf man nicht unterschätzen, wenngleich das leider sehr oft geschieht.

 

Daß ein Lebewesen Gefühle hat, ist normal, es ist sozusagen ein Teil des Lebens selbst. Aber daß es diese kritisch hinterfragen kann, das ist eine besondere Fähigkeit des Menschen, welche ihn vom Tier unterscheidet, die sozusagen eine Form der Höherentwicklung des Lebens selbst darstellt. Ein Tier hat einen Instinkt, welcher je nach der Entwicklung des Tieres niedriger oder höher ist. Ein Mensch hat mehr. Er hat die Fähigkeit, den Instinkt zu hinterfragen. Gemeinhin wird so etwas als Vernunft bezeichnet. Und eben diese Fähigkeit wird oft unterschätzt. Dies führt zumeist zu Entscheidungen, welche im Nachhinein kritisiert oder bedauert werden.

 

Auch die Lernfähigkeit aus Fehlern ist beim Menschen unter den Lebewesen sehr hoch entwickelt. Auch ein Tier ist lernfähig, es hat die Fähigkeit, aus unangenehmen Erfahrungen die Konsequenzen zu ziehen, indem es bestimmte Fehler eben nicht mehr macht. Beim Menschen aber ist dies zugleich mit der Erkenntnis verbunden, zu erkennen, warum ein Fehler gemacht worden ist und was er für Folgen mit sich gebracht hat.

 

Auch das Tier, jedenfalls das höherentwickelte, kann erkennen, daß bestimmte Vorgehensweisen bestimmte unangenehme Folgen nach sich ziehen. Das ist aber meistens auch schon alles. Ein Mensch kann weitaus mehr. Er kann erkennen, warum bestimmte Handlungen bestimmte Folgen haben und daraus Schlussfolgerungen ziehen. Diese können darin bestehen, bestimmte Handlungen zu unterlassen, aber auch zu fragen, warum das so ist. Und letzteres führt wieder zu höheren Erkenntnissen, zum Beispiel zur Erkenntnis von Zusammenhängen. Und dies führt zur kritischen Hinterfragung selbiger als auch zur Überlegung, welche Ursachen  diesen zu Grunde liegen und was man ändern muß, damit  sich die gesamte Lebenslage ändert. Voilà das Entstehen der Erkenntnis von Geschichte und deren Bedeutung.

 

Je mehr aber ein Mensch seine eignen Erfahrungen hinterfragt, desto differenzierter wird auch seine Entscheidungsfähigkeit. Hartmut Dicke nannte diesen Vorgang eine Kritik an der eigenen Erkenntnisfähigkeit, was nichts anderes heißt, daß man eben auch in dieser Hinsicht keinen Stillstand gebrauchen kann.  Das gilt nicht nur individuell, sondern betrifft auch die gesellschaftliche Entwicklung. „Aus historischen Erfahrungen die Konsequenzen ziehen“  war eines seiner Leitmotive, und wenn man die gegenwärtige Entwicklung betrachtet, dann sieht man, wie aktuell das ist.

 

Die gegenwärtige Lage auf der Welt zeigt eine sehr bedrohliche Verschärfung der politischen Widersprüche zwischen diversen Großmächten, welche offensichtlich von nichts anderem als ihrem inneren Widerspruch vorangetrieben werden. Der Widerspruch zwischen den Belangen einer großen Mehrheit der eigenen Bevölkerung und den Ambitionen der jeweiligen herrschenden Cliquen treibt dies voran, und deren Entlarvung wiederum treibt diese herrschenden Cliquen voran.

 

Ob das China ist oder die USA oder auch die Europäische Union oder Russland, das ist dabei eine Nebenfrage. Entscheidend ist, daß sie alle von der Masse ihrer eigenen Bevölkerung vorangetrieben werden, was die Gefahr eines ablenkenden Versuchs mittels kriegerischer Auseinandersetzungen in eine gefährliche Nähe  zu rücken droht. Man kann sicher sein, daß dieses Problem gegenwärtig sämtliche herrschenden Cliquen umtreibt und sie nach Lösungen zum eigenen Vorteil suchen lässt. So weit ist das nichts Ungewöhnliches.

 

Die eigentliche Gefahr aber liegt in der Bewusstseinslage der jeweiligen Bevölkerung, welche naturgemäß die Hauptlast solcher  „Lösungsversuche“ der Herrschenden mittels Krieg zu tragen hat. Und heute sticht ins Auge, daß bestimmte Repräsentanten politischer Art, als da wären politische Organisationen, diesem kaum oder gar nicht Rechnung tragen. Man nehme nur die Grünen in Deutschland. Für diese ist der angebliche Klimawandel das Hauptproblem, welches angeblich die Existenz der Menschheit in Frage stellt. Klimawandel in deren Augen besteht ausschließlich in einer geringfügigen Erderwärmung von ein oder zwei Grad Celsius. Absurder geht’s nimmer – hält man sich die politischen Zuspitzungen der Gegenwart zwischen den diversen Großmächten auf der Welt vor Augen. Aber wer tut das schon? Schaut man die diversen politischen Vertretungen an, dann kann man diese mit der Lupe suchen. Das ist gefährlich!

 

Das ist ebenso gefährlich und absurd wie es das Hochspielen abkunftsmäßiger Unterschiede unter den verschiedenen Menschen durch die Nazis gewesen ist. Abgesehen von deren rassistischem Fanatismus war dieser Punkt der Hauptfaktor, welcher die Menschen damals mehr oder minder unvorbereitet und wehrlos in den zweiten Weltkrieg getrieben und dessen Folgen ausgeliefert hat. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: ich will damit keineswegs den verbrecherischen Charakter des Nazismus und seine mörderischen Praktiken verharmlosen. Aber auf was das politisch hinauslaufen sollte, das war eigentlich von Anfang an deutlich zu erkennen.

 

Die angebliche Überlegenheit eines solch erbärmlichen menschenverachtenden Systems war auch damals für viele Menschen erkennbar. Nur daß sie nicht rechtzeitig die Mittel gefunden haben, um die Katastrophe zu verhindern. Das ist es, was analysiert werden muß, woraus auch die Lehren gezogen werden müssen. Oder glaubt man etwa, daß allein ein Farbenwechsel von braun auf grün in dieser Hinsicht ein anderes Ergebnis hervorbringen wird? Das ist eine gefährliche Illusion, welcher viel zu viele Menschen in unserem Land gegenwärtig aufzusitzen scheinen. „Der Mensch ist eine Fehlentwicklung der Natur“ – so die Behauptung der  deutschen Grünen. Das ist nichts weiter als umgedrehter Rassismus – nur diesmal gegen das eigene Volk oder gar gegen die ganze Menschheit. Wer könnte an solchen Anschauungen ein Interesse haben?

 

 

 

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